Was haben ein NAS, die Wirtschaftskrise und Case-Modding gemeinsam?

Einen etwas "verrückten" Geek mit einer Idee: mich wink!

Die Idee:

... entstand, beim Aufräumen meiner "Technik-Rumpelkammer". In den letzten Jahren hatten sich dort diverse Festplatten, Motherboards, Speicher, 031-artwork-by-wak mittelGehäuseteile, Schrauben, Lüfter und "wichtige Dinge, die man ja mal brauchen könnte", angesammelt.

Wie viele SysAdmins bin auch ich einer der funktionierende Technik einfach nicht wegwirft. Und nun war meine Stunde - die Stunde des Sammlers - gekommen. Ein Sicherungsserver stand schon lange auf meiner ToDo-Liste, aber Kaufen war nicht drinn - so schlägt auch die Wirtschaftskrise beim SysAdmin zu -, selber machen, dafür war ich bisher einfach zu faul und hatte mindestens ungefähr genau 6 Millionen Ausreden parat warum gerade nicht jetzt.

Da bekam ich die Zeitschrift "Admin - Netzwerk & Security" (Ausgabe 3/10) in die Finger. Dort las ich vom Projekt FreeNAS - nachdem ich passionierter ÖFFI-Fahrer bin, hab ich viel Zeit zu Lesen. Kaum vor dem PC angekommen war auch schon der Browser angeworfen und die Website http://freenas.org/doku.php angewählt. Nun waren schon 3 Voraussetzungen für meine Tat gegeben: Motiv, Insiderwissen und Gelegenheit (=langes Wochenende). Der Ort des Geschehens war auch alsbald gefunden: der Keller. Denn einen zusätzlichen Rechner im Wohnzimmer und das gleich mit zig Festplatten, war schon mal gar nicht drinn.

So ein Megaprojekt bedurfte erst mal der stabsmäßigen Planung smile, denn ein paar Randbedingungen mussten erfüllt werden, um das NAS erfolgreich aus der Taufe zuheben.

  1. Oberste Direktive: Es darf das Haushaltsbudget nicht belasten (= so wenig wie möglich kosten)
  2. Es dürfen nur Komponenten verwendet werden, die ich schon zu Hause hatte (=logischer Schluss aus 1)
  3. Da das Teil nicht gerade ultra leise würde (ergibt sich aus 2), musste es im Keller untergebracht werden. Nachdem in meiner Bastelkammer notorischer Platzmangel herrscht musste das Teil ins Regal wandern.
  4. Netzanbindung musste vorhanden sein (sonst macht ein NAS irgendwie keinen Sinn, glaube ich wink ...)
  5. Wake-on-Lan und Fernwartung mussten natürlich auch gegeben sein, bei so einer Reise in den Keller, um das Teil einzuschalten, da kann allerhand passieren. Und das weiß der passionierte Cineast nicht erst seit "Jurassic Park I" (wieso müssen eigentlich immer die Techniker ins Gras beißen frown)

Soweit mein Aktionsrahmen. Als nächstes kam eine sehr alte, weit entwickelte Projektmanagmenttechnik zum Einsatz: Papier und Buntstifte (Fingerfarben waren leider schon aus). Eine überschlagsmäßige Materialliste musste her:

  • Grundplatte
  • Montagerahmen für Steckkarten
  • Montagerahmen für Festplatten
  • Motherboard mit Prozessor, Speicher, sATA Anschlüssen und evtl. mehreren Steckplätzen
  • Netzteil mit Anschlüssen für viele Festplatten
  • Plexiglas für die Einhausung
  • Kleinteile:
    • Stromkabel
    • Netzkabel
    • DVD-ROM für die Installation
    • DVI-Kabel und Monitor für die Installation
    • Schrauben, Kabelbinder
    • Farbe
  • Werkzeug

Mit großen Schritten kam das Pfingstwochenende näher, wobei ich schon die Woche davor zusehends mehr in meiner Bastelkammer lebte, um all die kleinen und großen Vorbereitungen zu treffen. Hier nun eine kleine Bildergeschichte dazu:

Am Anfang war: Das Grundgerüst

Die Grundplatte für die spätere Montage des Mainboards stammt aus einem ausgeschlachteten PC-Gehäuse, das ich vor Jahren mal im Dachboden deponiert hatte. Ebenso der Montagerahmen für die Steckkarten. Das Gehäuse war komplett vernietet, weshalb ich die Einzelteile erst mal herauslösen musste (es lebe der Akkubohrer), um anschließend den Steckkartenrahmen  wieder zu montieren (klingt komisch, is aber so). Das ganze hab ich dann noch auf eine Holzfaserplatte montiert, die ich im Bastellraum im Keller hatte. Ein Überrest eines Katzenkratzbaums, den ich mal gezimmert hatte. Und nachdem das noch absolut gar nichts hermachte, trieb ich noch eine Spraydose mit Silberlack auf, die wiederum übrig geblieben war als ich mal 25 Pfeile fürs Bogenschießen lackiert hatte.

Die Grundplatte
Steckkarten-Rahmen Montierter Steckkarten-Rahmen Montierte Grundplatte
 Grundplatte  Steckkarten-Rahmen  Montiert  Verschraubt
Lackierte Grundplatte  Festplattenkäfig für Betriebssystemdisks Festplattenkäfig für Betriebssystemdisks  Festplattenkäfig Datenplatten
 Lackiert  Festplattenkäfig  Festplattenkäfig  Festplattenkäfig

Das Motherboard, die Anschlüsse und die Steckkarten

Nach einigem Hin- und Her-Überlegen, habe ich mich für das EVGA-Board aus meinem Fundus entschieden. Ebenfalls eines der vielen Kleinode in meiner Rumpelkammer. Zum einen hat das Board einen Intel Core Duo 64 Bit Prozessor E8400, genügend freie Steckplätze, falls mal ein weiterer sATA Controller rein sollte und zum anderen ist der Zalman-Lüfter angenehm ruhig. Im Großen und Ganzen ist es ein recht gediegenes Stück Elektronik mit Standardkomponenten. Das Board stammt übrigens von einem Bekannten dessen Rechner für seine Spiele zu "schwachbrüstig" war. Als Gegenleistung für den Einbau eines neuen Mainboards (i7-Serie), durfte ich das alte behalten smile. Das nennt man wohl Naturalienhandel.

Mainboard Mainboard Mainbaord
Mainboard Anschlüsse Befestigung
Mainboard sATA Mainboard Typ Bare Mainboard
Plattencontroller Mainboard EVGA  Bare Mainboard

Das Board war dann auch ohne große Probleme bald auf die Abstandshalter montiert und nun fehlte mir noch eine Grafikkarte. Hier hab ich mich für eine passiv gekühlte Gigabyte Karte mit NVidia Chipsatz entschieden. Einmal brauche ich dadurch einen Lüfter weniger und spare mir dadurch Strom, zum anderen kann ich eine DVI / VGA Karte sonst nirgendwo mehr brauchen. Wo ich die Karte her habe? Ganz ehrlich: keine Ahnung mehr!
Leider ist auf dem Mainboard ein recht wuchtiger Chipsetkühler verbaut, der sich mit dem Passiv-Kühler der Grafikkarte in die Quere kam. Vor nicht allzulanger Zeit hatte ich auf eine Modding-Site gelesen, dass man die Heatpipes auch biegen kann; was dabei rauskam sieht man auf den Bildern. Somit wird sogar noch der Luftstrom des Chipset-Kühler mitgenutzt smile.

Grafikkarte 016-grafikkarte Grafikkarte (verbaut)
 Grafikkarte
(Vorderansicht)

 Grafikkarte
(Hinteransicht)

Grafikkarte
(verbaut)
 Heatpipe Lösung 
 Heatpipe  Problemlösung

Um gleich noch etwas vorzugreifen: Die beiden Netzwerkschnittstellen des Boards waren nicht dazu zu überreden, den Rechner mittels Wake-On-Lan aufzuwecken, obwohl es im BIOS eine Einstellung dazu gab. Nach zig Versuchen kramte ich eine Intel Pro 100 aus der Kiste und siehe da mit der gings auf Anhieb.

 Anschlußfreudig Netzwerkkarte Netzwerkkarte (verbaut)
 Anschlussfreudig  Netzwerkkarte für WOL Netzwerkkarte (verbaut)

Plattenbauten:

Aber was wäre nun ein NAS ohne Platten? Auf dem Mainbaord befinden sich 6 sATA Anschlüsse und da wollte ich auch keinen ungenutzt lassen. Das war nun ein Problem: Zwar hatte ich noch 2 x 500GB Platten (Seagate ST350063AS) zu Hause, aber keine 4 Datenplatten. Unerwartete Hilfe nahte von einem Lieferanten, mit dem ich früher schon zusammengearbeitet hatte und dem ich bei einem Kaffee mal mein Projekt so nebenbei schilderte. Er stellte mir 4 x 2TB sATA Platten (Seagate ST32000641AS4X) zur Verfügung unter der Auflage, dass ich die mit der gebastelten NAS-Lösung auf Herz und Nieren Testen sollte: Mit Protokol und Testberichten und allem drum und dran, da er für ein Kunden zuverlässige Platten suche. Gesagt getan. Seitdem werkeln  ±5,6TB Datenplatten als RAID5 im NAS wink.

 Platten (Betriebssystem) Platten (Betriebssystem, verkabelt) RAID 5 Datenplatten Gehäuse mit Lüfter Verkabelung
 Platten
(Betriebssystem)
Platten
(Betriebssystem, verkabelt)

RAID 5 Verbund
(Datenplatten)

Plattenstapel mit
montiertem Lüfter

Verkabelung

Der Strom der Zeit:

Die Entscheidung, welches Netzteil ich verbauen sollte, war schnell getroffen, da es v.a. um die nötig Anzahl von Anschlüssen für Festplatten ging. Die Wahl fiel auf das Chieftec CFT650-14C. Auch dieses Teil war in den Tiefen einer meiner Schachteln vergraben, unter gefühlten 2 Tonnen Kabeln und stammt aus einer ausrangierten Workstation. Der Verbau des Netzteils gestaltete sich etwas schwieriger, da ich ja kein Metallgehäuse zur Befestigung hatte. Ein Winkeleisen, welches vom Aufbau eines Ikea-Billy-Regals übrig war und eine kleine Metallschraube im Steckkartenrahmen (siehe Bilder), löste das Problem.(.... und NEIN ich habe keinen Ikea Sechskantschlüssel verwendet wink)

Netzteil (verkabelt) Befestigung Stromversorgung    
Netzteil (inkl. Kabel) Befestigung Stromversorgung    
Was für's Auge Netzteil-Lüfter
Kabelführung Netzteil-Lüfter

Ready for take off:

Der große Moment war nun gekommen, in dem sich zeigen sollte, ob alles richtig verbaut und verkabelt war. Schnell noch eine Tastatur besorgen, ein DVD-Laufwerk, Monitor- und Stromkabel. Provisorisch mal das Netzteil einstöpseln... biep, blink-blink. Hurra das Teil läuft.

 Installlation Installation
Installlation  Installation

Der Einbau ins Regal:

Auf der Zielgeraden angelangt, war der nächste Schritt der Einbau des NAS in das bestehende Regal (der Kenner weiß: ebenfalls IKEA [Iwar] smile). Dabei musste einerseits eine gute Abdichtung gegen Staub, andererseits die Möglichkeit der Warmluftableitung gegeben sein. Die Entscheidung fiel auf Plexiglas für die Verkleidung des Regals, sowie einen entsprechende Lüftereinbau.Dabei zeigte sich, dass die Entscheidung für das Board eine gute war, den dort waren noch genügend regelbare Lüfteranschlüsse frei. Um eventuell das Teil mal auch manuell starten bzw. stoppen zu können habe ich noch eine kleine Anschlusskonsole in das Plexi eingelassen, mit dem positiven Nebeneffekt dass noch 2 USB Anschlüsse rausführen. Die Konsole stammt von einer gesprungenen Rechnerverkleidung, die im Müll landen sollte.

 Einbau Einbau Seitenteil Einbau abgeschlossen
Einbau
(Beginn)
Einbau Seitenteil Einbau abgeschlossen
 Konsole (Vorderansicht) Konsole (Hinteransicht)  Einbauteile Konsole (eingebaut)
 Konsole
(Vorderansicht)
 Konsole
(Hinteransicht)
 Einbauteile Konsole
(eingrbaut)

Artwork - was für's Auge:

Die Funktionalität war somit gegeben, aber wie lautet der Spruch nochmal...."Das Auge ißt mit"? Vor nicht allzulanger Zeit hatte ich einen Artikel über das Fräsen von Plexiglas gelesen und dachte mir, ich versuch das mal. Die Suche nach Motiven im Web gestaltete sich recht einfach, der Dremel war da schon schwieriger zu finde, ganz zu Schweigen von etwas Zeit für das Vorhaben smile. Was dabei rausgekommen ist zeigen die folgenden Bilder.

 Artwork  Artwork  Artwork  Artwork Artwork
 Artwork  Artwork  Artwork Artwork Artwork

Das Ergebnis:

"... und was hat das Ganze gebracht?", wird sich der ein oder andere nicht so technik-affine Mitmensch, fragen.

  • ein NAS mit 5,6 TB Speicher für 27,8 Euro (das hat das Plexi gekostet)
  • Testberichte für die Seagateplatten + Kaffee mit Freunden
  • ich hab meine Rumpelkammer aufgeräumt
  • aber am Wichtigsten: jede Menge Spaß an der Freud laughing

 

Das Ergebnis Das Ergebnis
Das Ergebnis

Nachtrag - 1 Monat nach In-Betriebnahme:

Durch ein wenig Recherche im Web kam mir noch die Idee, die neueste Version von FreeNAS zu verwenden. Dabei stieß ich auf ein sehr gutes Youtube-Video zu dem Thema, welches u.a. die Möglichkeit beschrieb, die Image-Datei bootfähig auf einen USB Stick zu schreiben. Nachdem ich noch einen USB Stick rumliegen hatte - war mal ein Werbegeschenk -, setzte ich die Idee gleich mal in die Tat um und hab somit nochmal 2 Platten mit 500GB in einem RAID1-Verbund für die Datenspeicherung dazu bekommen. laughing

Boot USB-Stick für FreeNas
Freenas von USB Stick Booten
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